Eisschrauben

Eisschrauben dienen als Fixpunkte im Eis. Je nach Eisart (Gletschereis GI, Wassereis WI) muss man verschiedenen Dinge beim Setzten der Eisschraube beachten.

Jedoch ist der Grundsatz immer gleich:
  1. Schraube ansetzen: die Handfläche auf den Schraubenkopf legen und mehrfach aus dem Handgelenk maximal in beide Richtungen drehen, bis die Schraube greift
  2. Eindrehen Stufe 1: Jetzt löst man ganz vorsichtig die Hand (ACHTUNG: in dieser Situation fallen die meisten Eisschrauben hinunter oder brechen aus.), setzt sie nochmals um und dreht so die Schraube nochmal etwas weiter ins Eis bis sie richtig stabil ist.
  3. Eindrehen Stufe 2: Erst jetzt klappt man die Kurbel aus und dreht zuerst vorsichtig, dann richtig schnell die Schraube bis zum Anschlag ins Eis.
  4. Lasche positionieren: Die Lasche soll immer anliegen und auch immer in Sturzrichtung (meist nach unten) zeigen. Nur so hat man die grösst mögliche Ausreissfestigkeit.
  5. Kurbel einklappen ( Risiko einer Seilbeschädigung im Sturzfall => Beinaheunfall )

Eisschraubenlänge:

Derzeit sind folgende Eisschraubenlängen auf dem Markt erhältlich:
Petzl: 12, 17, 21cm
Grivel: 12, 16, 20cm
Black Diamond: 10, 13, 16, 19, 22cm
Salewa: 13, 16, 19cm

Austrialpin: 8, 12, 17, 21 cm

Kurz und bündig:
16cm-Eisschrauben sind für Zwischensicherungen und für Standplätze (immer zwei) in solidem Eis ausreichend.

Eisschrauben für Abalakov-Eissanduhren müssen mindestens 19cm lang sein.

Im Detail betrachtet:
Vergleicht man verschieden lange Eisschrauben („Black Diamond Express Ice Screw“) miteinander, fällt auf dass die Gewindelängen identisch sind. 15 Windungen auf 10cm Gewindelänge.

In einem Bericht der Sicherheitsforschung im „Panorama 4/2008“ wurde beschrieben:

„Die Schraubenlänge zeigt überraschend auch im Gletschereis keinen wesentlichen Einfluss auf die Festigkeit. Die Anzahl der Gewindegänge, also die Gewindefläche, scheint die größte Rolle bei der Festigkeit zu spielen. „

Panorama 4/2008 S.66Warum gibt es dann aber verschieden lange Eisschrauben wenn scheinbar 10cm Gewinde (wie z.B. bei Black Diamond) ausreichend sind?

Eine Begründung liegt in der Praxis, denn oft liegt das wirklich solide und zuverlässige Eis nicht direkt an der Oberfläche, sondern befindet sich dahinter. Längere Eisschrauben kann man so auch mal ohne das „morsche Eis“ abzukratzen eindrehen und das Gewinde sitzt zuverlässig im soliden Eis.

Wie verhält sich die Situation wenn man Eisschrauben in „Röhreneis“ (Eis mit Lufteinschlüssen) setzt?
Durch das fehlende Gewinde an dem Schaft der langen Eisschrauben kann es zu einem Nachteil kommen wie die Grafik unten zeigt.

Warum es keine Eisschrauben mit durchgehendem Gewinde gibt, kann ich nur durch Fertigungsaufwand/-kosten und höheres Gewicht der Eisschraube erklären. Ich werde diese Frage aber direkt an die Hersteller weiterleiten und hier wieder informieren.

„Lange Schrauben (22 cm)
bringen keinen deutlichen Festigkeitsgewinn im Vergleich zu den mittellangen Schrauben.“

Panorama 2/2005„Forderungen, für den Standplatzbau nur lange Schrauben zu verwenden, scheinen unbegründet.“
Panorama 2/2005 „Qualitätseisschrauben sind aus Stahl (auch die Lasche!). Sie sind scharf geschliffen sowie oberflächenveredelt, um die Reibung beim Eindrehen gering zu halten, und sie besitzen eine Kurbel. Die optimale Länge liegt bei 15 – 18 cm. Die Schrauben besitzen in der Regel zwischen 14 und 17 Umwindungen. Längere Schrauben sind gut zum Bohren von Eissanduhren. Kürzere Schrauben benötigt man zum Absichern dünner Eisauflagen.“
Panorama 2/2005 Wird die Eisschraube verwendet um eine Abalakov-Eissanduhr herzustellen, werden Schraubenlängen ab 19cm empfohlen. (Quelle: Untersuchung Chris Semmel, publiziert im Magazin „bergundsteigen #95