Vorsicht bei gebrauchter Kletterausrüstung

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Viele sind regelrecht genervt von den Themen Haltbarkeit und Verwendungsdauer, wenn es um ihre Kletterausrüstung geht. Im Fokus hier stehen Textilien und Kunststoffe die allein durch Alterung permanent abbauen. Metall ist hiervon nicht betroffen, aber natürlich unterliegt Metall auch dem Verschleiss (Abnutzung, nicht Alzerung).

Was ist dir dein Leben, oder das deines Kletterpartners Wert?

Tipp: So bekommst du raus wie alt das Material wirklich ist Die Codierung

Wir haben etwas in den einschlägigen Internetplattformen gestöbert und haben unzählige Angebote gefunden, in denen man unbedarft Bergsportausrüstung verkauft, ohne dass die verkäufer wissen wie fragwürdig der Zustand der angebotenen Ausrüstung ist.

Hier einige Beispiele:

Die Expressschlingen waren schon neu, aber eben im Jahr 2006!! Somit war die maximale Lebensdauer der Textilschlingen zu dem Zeitpunktunkt bereits um 3 Jahre überschritten.

Der Zustand war natürlich nicht super und die Schlingen waren über 20 Jahre alt!

Von den 10 Anzeigen die ausgewählt wurden, waren auch wirklich alle Textilien zu alt. Nach der Kontaktaufnahme und dem Aufklären über die Alterung von Textilien, haben davon immerhin 8 die Angebote komplett zurückgezogen, oder auf das Alter und hingewiesen dass die Textilien nicht mehr für das Klettern verwendet werden sollten. Nur zwei Verkäufer waren sich sicher dass „das Zeug noch gut sei“.

Das liebe Geld…
Letztendlich bedeutet ein periodisches Ersetzen von Klettermaterial einen finanziellen Aufwand, den einige nicht tragen wollen. Nachvollziehbar, jedoch nicht vertretbar…

Was würdest du bezahlen um einen Unfall rückgängig zu machen…?

Ein Ausrüstungsgegenstand mit dem jeder konfrontiert ist: Die Schlinge der Expresse, hierzu zwei Beispiele was es finanziell Bedeutet diese zu ersetzen:

Die komplette Expressschlinge „Black Diamond Hoodwire“ (12cm) kostet regulär 21,00€ (UVP). Die dafür verwendete Dyneema Bandschlinge „Dynex Dogbone“ hat als Ersatzteil einen Preis von 4,00€.

Die Exe „Black Diamond LiveWire Quickdraw“ (12cm) kostet einzeln 25€ und deren Bandschlinge namens „Vari-Width Dogbone“ kostet einzeln 7,00€.

Beim Austausch an 10 Expressen bedeutet das 40€ bzw. 70€ die man alle paar Jahre in die Hand nehmen muss, um weiterhin sicher zu klettern.

Es gibt hier nicht nur „Schwarz“ und „Weiss“, sondern einen grossen Graubereich. Darum liest man auch von Herstellern und Alpenvereinen verschiedene Formulierungen, die die Lebensdauer beschreiben.

Jedoch erwähnen sie stets auch Variablen von denen die Haltbarkeit beeinflussen:

  • Materialzustand
  • Verwendungsdauer
  • Exposition gegenüber UV-Strahlung
  • Exposition gehenüber Extremtemperatur
  • Anzahl Sturbzelastungen

Und ja, es kann sein, dass ich bei einer sehr unglücklichen Scharfkantenbelastung eine Bandschlinge bereits nach einem einzigen Einsatz austauschen muss, aber aus diesem Grund ist es auch Bestandteil unserer Kurs dies zu thematisieren.

Die Empfehlung das DAV lautet:

Der DAV empfiehlt:

Polyadmid- und Mischgewebeschlinge :

Maximal 6-10 Jahre ab Herstellung (nicht ab Kauf!), dies gilt jedoch nur wenn die Schlingen nicht stark abgenutzt oder beschädigt sind.

Dyneemabandschlingen:

3 Jahre ab Herstellung (nicht ab Kauf!) sollten Dyneemaschlingen ersetzt werden, wenn sie gebraucht aussehen.

Wenn sie nicht gebraucht aussehen und selten in Verwendung waren, können sie auch bis zu 5 Jahre verwendet werden.

Werden die Schlingen jedoch ohne Knoten verwendet (z.B. als Expressschlingen, Köpfel ohne Knoten, Sanduhrschlingen…) können sie auch „ein paar Jahre länger verwendet werden“, jedoch ist die Sicherheitsreserve geringer (Scharfkantenbelastung etc.).

(Quelle: DAV Panorama 4/2015)

„Das ist alles nur Geldmacherei!“, sind die Parolen von Kritikern.

Es gibt wirklich regelrechte Gegner, die einem präventiven Austausch von Schlingen und anderem Material mit aller Energie entgegentreten, als ginge es um ihr Leben… eigentlich eine paradoxe Einstellung muss ich sagen 🙂

Ihre Abneigung zum Austausch wollen sie manchmal gar nicht begründen (Geld als Grund?), oder sie argumentieren mit Tests von gebrauchten Bandschlingen, in denen Bandschlinge über 10 Jahre alt waren und noch eine ausreichende Festigkeit besassen. Dass jedoch andere, jüngere Schlingen bereits unterhalb der Grenzwerte versagten, interessierte sie beim zitieren der Untersuchung nicht.

Fazit mit den sarkastischen Worten:

„Wenn das Material beim Klettern versagt, hielt sie ja ein LEBEN lang!“